Was war schön heute?

11.10.2026 / Pfarrer Guido Hepke, Evangelische Kirchengemeinde Weilburg

Das fragt mich meine Frau – eigentlich an jedem Abend. Manchmal muss ich einen Moment überlegen. Das Unschöne des Tages überlagert meine Gedanken. 

Aber dann sehe ich sie wieder klar vor Augen: Die Rose, leuchtend im Morgenlicht. Tautropfen glänzen auf den Blütenblättern wie kleine Diamanten. Einfach zauberhaft. Ich erinnere mich an das Planungsgespräch: Alle waren mit ihren Gedanken und Ideen mit dabei. Gemeinsam haben wir das Projekt einen guten Schritt weitergebracht. Die Zusammenarbeit hat Spaß gemacht. Und ich denke an das Lächeln meiner Frau. In der Mittagspause haben wir eine Tasse Kaffee getrunken. Versonnen schaut sie in unserem Garten auf den benachbarten Wald. Die Blätter färben sich langsam bunt. Was für ein friedlicher Moment ist das gewesen! 

Mir fällt auf: Jeden Tag finde ich etwas Schönes. Selbst an „gebrauchten“ Tagen ist das so. Auch dann gibt es Kleinigkeiten oder großen Momente, die einfach nur gut sind. 

Alles das teile ich gerne mit Gott. Ich danke Gott: Für den Lichtstrahl, der durch die dunklen Wolken bricht. Für das Lächeln der Eltern beim Taufgespräch. Für den Klang des Chores im Gottesdienst. Ich danke Gott, für alle Kleinigkeiten des Alltages und für die großen schönen Momente. 

Das Danken tut mir gut. Ich nehme die Dinge nicht für selbstverständlich. Ich gehe nicht achtlos an der Schönheit des Alltages vorbei. Ich nehme viel mehr Schönes wahr, seit ich bewusst auf meine Tage zurückblicke. Dadurch fühle ich mich unendlich beschenkt. 

Das Danken verändert mich. Meine Grundhaltung wird fröhlicher. Meine Perspektive ändert sich: Das Glas ist halbvoll, nicht halbleer. 

In der Bibel schreibt Paulus: Seid allezeit fröhlich. Betet ohne Unterlass. Seid dankbar in allen Dingen (1. Thess 5,16-18). Wahrscheinlich hat sich der Apostel auch am Abend gefragt: Was war schön heute?