Lifestyle - Teilzeit

14.02.2026 / Dekan Johannes Jochemczyk

Neulich habe ich ein neues Wort gelernt: „Lifestyle-Teilzeit“. Einige meinten, „Lifestyle-Teilzeit“ sei der Grund dafür, dass es mit Deutschland wirtschaftlich bergab gehe und stellten fest: Zu viele Bürger arbeiten zu wenig. Und das muss sich ändern. Wir müssen arbeiten, arbeiten und arbeiten. Keine halben Sachen mehr und vor allem keine halben Stellen.

Die Äußerung des Bundeskanzlers allerdings war eine Ohrfeige ins Gesicht all derjenigen, die gerne mehr arbeiten würden, aber nicht können: Denn sie schultern die Familienarbeit, sorgen für die Kinder, pflegen die Eltern, sind aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage voll zu arbeiten oder nehmen schlicht für mehr freie Zeit finanzielle Einbußen in Kauf. Es gibt also viele gute Gründe, warum Menschen in Teilzeit arbeiten – und das hat nichts mit Lifestyle zu tun.

Man kann die Sorge der Politik zwar verstehen – in Deutschland wird weniger gearbeitet als früher.

Die Jahresarbeitszeit in Deutschland ist seit den 1950er Jahren kontinuierlich gesunken: von 2427 auf 1389 Stunden im Jahre 2010. Aber das ist kein Verlust, erst recht kein Lifestyle, vielmehr ein im Arbeitskampf erstrittener hoher Wert und ein großer Zugewinn an Lebensqualität.

Auch stimmt – wir müssen arbeiten. Denn dies dient der Existenzsicherung und vermittelt nebenbei auch Lebenssinn. Außerdem kann nur dann etwas erwirtschaftet werden und das gesellschaftliche Leben funktionieren, wenn wir alle etwas dafür tun und unsere Fähigkeiten wie Zeit zur Verfügung stellen.  Die Frage ist nur, welchen Stellenwert die Arbeit in unserem Leben hat!

Würden wir Jesus nach seiner Haltung zur Arbeit fragen, würde er vielleicht auf den Acker verweisen, von dem Gott damals dem Adam sagte, dass er sich sein Leben lang mit Mühsal von ihm ernähren und er „im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen soll!“ Hier wird die Mühe der Arbeit betont. Jesus hat aber andererseits die Last und Bedeutung der Arbeit durchaus relativiert und damit Arbeit und freie Zeit in ein Gleichgewicht gebracht: „Seht die Vögel unter dem Himmel an“, sagt er, „Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?“ - Jesus macht hier klar: wir sind schon versorgt, allein durch Gottes Gnade und Liebe, ohne dass wir dafür sorgen müssen, ohne dass wir etwas tun müssen. So legt Jesus schon damals die Spur zu einer gesunden Work-Live-God-Balance. In diesen Sinne wünsche ich Ihnen: Arbeiten Sie nicht zu viel, sondern halten Sie Arbeit, freie Zeit und Gotteszeit im Gleichgewicht.