Von kleinen Vögeln und großen Sachen

02.08.2026 / Pfarrer Johannes Jochemczyk, Dekan


In diesem Jahr ist die Hitze kaum auszuhalten. Etwas Abkühlung versprechen höchstens die Abendstunden. Dann sitzen wir gelegentlich auf dem Balkon und beobachten in der Dämmerung die Mauersegler, wie sie mit ihren gewagten Flugmanövern durch die Luft jagen. Ein faszinierendes Schauspiel! 

Wussten Sie, dass diese Vögel bei ihren halsbrecherischen Sturzflügen bis zu 200 km/h schnell werden können? Sie sind wahre Flugkünstler und extrem an die Luft angepasst. Bis zu 10 Monate können sie in der Luft bleiben, sie übernachten sogar im Flug und halten sich nur in der Brutzeit mit kurzen Unterbrechungen am Boden auf. Es muss ein sorgenfreies Leben sein, was diese Vögel führen. Die angespannte wirtschaftliche Lage, die kriegerischen Konflikte, die Weltpolitik, all dies berührt die Vögel in keinster Weise. 

Mir kommt dazu die bekannte Äußerung Jesu in den Sinn: „Sorgt euch nicht um euer Leben. Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ (Matth. 6,26) Klingt ganz einfach - funktioniert jedoch nicht immer. Letzte Woche beispielsweise verhedderte sich einer dieser Mauersegler an einem Nistkasten unter dem Dachüberstand des Nachbarhauses gegenüber. 

Man konnte aus der Entfernung beobachten, wie der Vogel verzweifelt versuchte, sich von diesem Kasten zu lösen. Minutenlang flatterte er ununterbrochen aus aller Kraft, um sich zu befreien - es gelang ihm nicht. Man musste ihm helfen! Offensichtlich ist das Leben eines Vogels doch nicht immer so sorgenfrei, wie es scheint. Der Nistkasten befand sich allerdings weit oben unter dem Dach, mit einer handelsüblichen Leiter unerreichbar. Ein Nachbar alarmierte kurzerhand die Feuerwehr, die dann mit großem Gerät und Drehleiter auch kam. Der Vogel wurde aus seiner misslichen Lage befreit und gerettet. 

Zwei Gedanken sind mir in Nachhinein wichtig geworden. Zum einen: Gott mag zwar dafür Sorge tragen, dass Vögel nicht säen und ernten müssen, aber wenn es wirklich darauf ankommt, sind wir selbst gefragt. Unsere Aufgabe ist es, Sorge zu tragen, wenn man sagen will, im Namen Gottes, der uns die Bewahrung der Schöpfung ans Herz gelegt hat. Zum anderen: Zwar kann man denken „Ganz schön viel Aufwand für solch einen kleinen Vogel! Lohnt das?“ 

Tatsächlich mag für uns der Aufwand groß und der Nutzen gering erscheinen. Aber für den Vogel bedeutete diese Hilfe die Rettung seines Lebens. Und das ist doch eine große Sache, die lohnt.