Kantate!

12.05.2026 / Stud. Theol. Paula Winkelmann, Evangelische Kirchengemeinde Weilburg

Kantate! – Singt! So heißt dieser Sonntag im Kirchenjahr. In Psalm 98 heißt es dazu: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ (Ps 98,1).


Singen – das klingt erst einmal einfach. Doch dabei passiert oft mehr, als man denkt. Ein Lied im Gottesdienst, und plötzlich ist man mittendrin. Oder man hört nur zu – und trotzdem berührt es etwas. Die große Chorprobe, wenn alle Stimmen zusammengesetzt werden und alles wunderbar passt.


Ich finde: Musik kann etwas, das Worte alleine nicht schaffen. Musik verbindet. Sie trägt und tröstet. Und manchmal gibt sie Ausdruck für das, wofür ich selbst keine passenden Worte finde.


Gedanken, Gefühle, Stimmungen – alles das bekommt plötzlich einen Klang. Singen schafft Raum für das, was da ist. Für Freude, Gemeinschaft, Dankbarkeit und Lob. Aber auch für das, was schwer ist: Klage, Trauer oder Bitten.


Auch in der Bibel spielt Musik eine wichtige Rolle. Da ist der Dank, der sich in Liedern Bahn bricht. Das Lob Gottes mit Trompeten und Harfen. Aber auch die leisen Töne gehören dazu: Klagepsalmen, gesungene Bitten, Musik als Halt in schwierigen Zeiten. König David zum Beispiel greift zur Harfe – und schafft damit Raum für das, was ihn bewegt.
Der Psalm sagt: „Singt!“ Vielleicht ist das eher weniger eine Aufforderung, in Jubel auszubrechen. Sondern eine Einladung: Verleihe dem Ausdruck, was in dir ist. Bringe das vor Gott, was dich bewegt- So wie es ist. Ohne Anspruch, dass es schön oder perfekt sein muss.


Vielleicht liegt genau darin eine leise Hoffnung: Das, was ich nicht sagen kann, findet trotzdem einen Klang und Raum.