Tschernobyl wirkt bis heute nach

26.04.2026 / Pfarrer Guido Hepke, Weilburg

Um 1:23 Uhr explodiert der Reaktorblock 4. Es kommt zur Kernschmelze. Ungeheure Mengen Radioaktivität werden freigesetzt. Tschernobyl wird zum Super-GAU, zum größten anzunehmenden Unfall.


Zunächst wird alles vertuscht. Erst als die radioaktive Wolke große Teile Europas erreicht hat, gibt Michail Gorbatschow zu: Es hat ein Unglück gegeben.
Dafür werden sehr schnell die Techniker verantwortlich gemacht: Bedienungsfehler, menschliches Versagen, die Technik sei kein Problem.


Erst Jahre später wird deutlich: Für die Katastrophe sind Konstruktionsmängel verantwortlich. Die waren den Verantwortlichen längst bekannt.


Was in Tschernobyl geschah, ist also auch bei allen anderen Reaktoren gleichen Typs möglich. Trotzdem geht der letzte Reaktor in Tschernobyl erst 2000 vom Netz. Und in Leningrad läuft so ein Tschernobyl-Reaktor noch heute. Unglaublich.


Aber auch die Ruine von Tschernobyl ist eine Bedrohung. Wird die Schutzhülle gewaltsam zerstört, haben wir den nächsten Super-GAU.


Tschernobyl wirkt bis heute nach: Ganze Regionen in der Ukraine bleiben dauerhaft unbewohnbar. Doch auch hier bei uns sind viele Waldpilze oder Beeren immer noch radioaktiv belastet, besonders in Bayern und Thüringen.


Trotzdem diskutieren Politiker über eine Wiedereinführung der Kernenergie. Für mich ist das völlig unverantwortlich.


Tschernobyl zeigt: Das Unfall-Risiko ist viel zu hoch. Unfälle können nicht wirklich ausgeschlossen werden. Bei einem Terroranschlag oder einem Drohnenangriff gibt es keinen Schutz für den Reaktor. Und dann?


Doch auch ohne diese Horrorszenarien stellt sich die Frage: Wohin mit dem ganzen Atommüll? Es gibt kein Endlager – auch nicht für den alten Atommüll.
Wenn all diese Faktoren eingepreist werden, dann ist die Kernenergie eine sehr kostspielige Form der Energiegewinnung. Es gibt Alternativen, die besser sind. Und die verursachen auch keinen Super-Gau.


Gott hat uns Menschen diese Erde anvertraut, damit wir sie bewahren. Mit Kernkraftwerken geht das nicht. Tschernobyl bleibt auch nach 40 Jahren eine traurige Mahnung.