Evangelisches Dekanat an der Lahn

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    Jubiläum Ex-Kirchenpräsident

    100 Jahre Helmut Hild: Versöhnend und vorausschauend

    EKHNHelmut Hild (1921-1999) war von 1973 bis 1985 hessen-nassauischer Kirchenpräsdident.Helmut Hild (1921-1999) war von 1973 bis 1985 Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

    Am 23. Mai 2021 wäre Helmut Hild 100 Jahre alt geworden. Der Theologe und Namensgeber des Hauses der Kirche in Weilburg war von 1969-1985 der dritte hessen-nassauische Kirchenpräsident. Der einstige Wehrmachtsoffizier galt als großer Versöhner, der DKP-Pfarrer einstellte und die Aussöhnung mit Polen vorantrieb. Und auch in anderen Feldern war er der Zeit weit voraus.

    Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, hat seinen früheren Amtsvorgänger Helmut Hild als „Theologen des Ausgleichs und der Vorausschau“ gewürdigt. Hild wäre am Sonntag (23. Mai) 100 Jahre alt geworden. Er war von 1969 bis 1985 dritter Kirchenpräsident der EKHN. Von 1973 bis 1985 war er auch stellvertretender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Hild starb 1999 im Alter von 78 Jahren in Darmstadt.

    Kirchenpräsident in Zeiten des Umbruchs

    Nach Worten Jungs habe Hild die Geschicke der hessen-nassauischen Kirche in einer „Zeit der großen gesellschaftlichen Umbrüche“ geleitet. Die 1970er und beginnenden 1980er Jahre seien durch harte politische Auseinandersetzungen in Deutschland und den Kalten Krieg in Europa charakterisiert gewesen. Dabei habe es Hild verstanden, „die friedensstiftende Kraft des Evangeliums inmitten der Veränderungen seiner Zeit zur Sprache zu bringen, um Menschen  zueinander zu führen.“ Hild selbst habe sich aus einer tiefen Frömmigkeit heraus „mehr als Arbeiter im Weinberg Gottes denn als mahnender  Prophet wie zuvor der erste Kirchenpräsident Martin Niemöller verstanden“. Menschen, die Hild in Kirche und Politik erlebten, hätten Hild zeitlebens „Bescheidenheit, Aufrichtigkeit und Offenheit“ bescheinigt. Vor allem sei bei ihm spürbar gewesen, „wie sein politisches Denken im tiefen persönlichen Glauben verankert war“.  

    Theologe des Ausgleichs

    Obwohl oder gerade weil selbst Kriegsteilnehmer und Offizier im Nazi-Regime und damit Vertreter der damals von den Jüngeren scharf kritisierten Generation, hat Hild nach Ansicht Jungs die „Grundmotivation der 68er-Bewegung verstanden“. Als Beispiel nannte Jung die seinerzeit heftig geführte innerkirchliche Debatte um Theologinnen und Theologen, die Mitglied der DKP geworden waren, um so gegen den Radikalenerlass von 1972 zu protestieren. Unter Hild konnten sie in der EKHN später dennoch als Pfarrerinnen und Pfarrer arbeiten. Freilich waren sie zuvor auch wieder aus der Partei ausgetreten. 

    Verdienste um Aussöhnung mit Osteuropa

    Jung hob auch Hilds Verdienste bei der Aussöhnung mit Osteuropa hervor. Er habe damit die „Herzensangelegenheit“ des ersten hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Martin Niemöller konsequent weitergeführt. Dabei habe er „weit vorausschauend gehandelt und Pionierarbeit“ geleistet. Jung: „Hild hat bereits in den beginnenden 1960er Jahren intensiv Verbindungen mit Polen und den polnischen Kirchen geknüpft, als der Eiserne Vorhang noch jeglichen Ostkontakt in die Nähe von Vaterlandsverrat brachte.“ 1971 habe er die erste evangelische Delegation aus Deutschland nach Warschau geführt. Insgesamt habe Hild Polen mehr als zwei Dutzend Mal besucht. Damit sei Hild zu einem „Theologen des Ausgleichs und der Toleranz“ geworden, so Jung.

    Impulsgeber für vorausschauende Medienarbeit

    Nach Worten Jungs hat Hild zudem verstanden, dass sich die Kirche in einer modernen Mediengesellschaft verstärkt einbringen muss. Vor seiner Wahl zum Kirchenpräsidenten sei Hild ab 1960 unter anderem der erste „Öffentlichkeitspfarrer“ der EKHN gewesen. Später habe er dem Fernsehrat des ZDF angehört und sei mehrere Jahre Vorstandsvorsitzender des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik in Frankfurt gewesen. Unter seiner Leitung als Kirchenpräsident setzte die EKHN nach Angaben Jungs erstmals Werbematerialien für Kirchenvorstandwahlen aktiv ein. Als erste evangelische Kirche in Deutschland habe die EKHN zudem mit „Im Gespräch“ ein Magazin für alle Mitglieder veröffentlicht. In seiner Zeit habe die EKHN als erste Landeskirche auch ein Rechenzentrum errichtet.  Jung: „Helmut Hild öffnete die EKHN der Moderne und dem medialen Zeitalter.“

     

    Zur Person

    Vom Landpfarrer zum Vorsitzenden des Gemeindeverbands in Frankfurt

    Helmut Hild wurde am 23. Mai 1921 in Weinbach (Kreis Limburg-Weilburg) geboren. Geprägt durch seine Erfahrungen als Offizier an der Ostfront nahm Hild 1946 das Studium der Theologie in Marburg auf. Besonders beeinflusst wird er nach eigener Aussage von den Theologen Rudolf Bultmann (1884-1976) und Paul Tillich (1886-1965). Den neutestamentlichen Theologen Bultmann habe er wegen seiner Bemühungen um ein modernes Bibelverständnis geschätzt. Von dem systematischen Theologen Paul Tillich sei er wegen seiner „tiefgründigen Analysen der Zeit und der Geschichte“ fasziniert gewesen. Nach dem Pfarrdienst in Westerburg (1951-1957) im Westerwald, die Hild selbst als „glücklichste Zeit“ seines Berufslebens charakterisierte und Frankfurt-Unterliederbach (1957-1960) wurde Hild 1960 erster hauptamtlicher Öffentlichkeitspfarrer der EKHN. Danach war er ab 1964 Vorsitzender des Evangelischen Gemeindeverbandes in Frankfurt sowie Pfarrer an der Frankfurter Luthergemeinde. 1969 wurde Hild dann zum Kirchenpräsidenten der EKHN für den nur vier Jahre amtierenden und 1968 überraschend verstorbenen Wolfgang Sucker (1905-1968) gewählt. Hild wurde 1976 wiedergewählt und blieb bis 1985 Kirchenpräsident. Seine Nachfolge trat Helmut Spengler an, der zuvor Stellvertretender Kirchenpräsident war. 1973 wählte die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Hild auch zum stellvertretenden Ratsvorsitzenden der EKD. Darin wurde er 1979 für eine zweite Amtszeit bis zu seinem Ruhestand 1985 wiedergewählt.

    Zahlreiche Auszeichnungen

    Als Anerkennung seiner Verdienste für die Aussöhnungsarbeit besonders mit Polen erhielt Hild 1974 das Ehrendoktorat der Christlich-theologischen Akademie Warschau. 1973 wurde Hild mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille geehrt, der höchsten Auszeichnung des Landes Hessen. Hild war auch Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern, das er 1981 erhielt. Er wurde 1985 auch mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Zwei Gebäude in der EKHN tragen seinen Namen. Es ist zum einen das Haus des Zentralarchivs und der Zentralbibliothek der EKHN in Darmstadt und zum anderen das Haus der Kirche in Weilburg.

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