Wer singt, betet doppelt!

14.06.2026 / Pfarrer Guido Hepke, Evangelische Kirchengemeinde Weilburg


Haben Sie heute Morgen schon gesungen? In der Dusche zum Beispiel? Oder beim Kaffee-Kochen? Oder auf dem Weg in den Supermarkt?


Ich persönlich gehöre ja eher zu den Auto-Sängern. Wenn ich unterwegs bin, und da kommt ein Titel im Radio, der mir gefällt, dann dreh ich die Lautstärke hoch. Volle Kanne. Ich singe oder gröle mit. Das Lenkrad wird zum Schlagzeug-Ersatz.
Eigentlich gibt es niemanden, der nicht singen kann, sagen die Musikwissenschaftler. Höchstens gibt es Menschen, die sich das nur für sich alleine trauen.


Dabei ist auch das Singen mit anderen schön. Es ist doch einfach genial, wenn bei einem Konzert 1000e den Song mitsingen, der vorne auf der Bühne präsentiert wird. Und für Geübte gibt es nichts Anrührenderes als einen gelungenen mehrstimmigen Chorsatz. Die Atmosphäre macht’s. Das Singen mit anderen lässt uns spüren: Wir sind Teil einer Gemeinschaft. Und das tut gut.


Ob alleine in der Dusche oder Auto. Oder zusammen mit anderen im Chor oder bei einem Live-Konzert. Das Singen berührt. Wir nehmen andere Schwingungen wahr. Unsere Ausstrahlung verändert sich. Das, was wir denken und fühlen, wird in diesen kostbaren Momenten – vielschichtiger, bunter, schöner.


Genau deshalb ist auch die Kirchenmusik so wichtig. Lieder, die im Gottesdienst gesungen werden – vom Chor oder von allen in der Gemeinde. Singen verändert. Auch den Gottesdienst. Was wir denken und fühlen - und was wir im Gebet teilen, mit Gott und miteinander. Alles das wird vielschichtiger, intensiver, bunter, schöner.


Wer singt, der betet doppelt. So hat das schon der Kirchenvater Augustinus gesagt - vor 1600 Jahren.


Das Singen verändert. Das Singen im Gottesdienst ist wie Beten mit dem ganzen Körper. Nicht nur mit Worten. Denn wer singt, den tragen auch die Melodien. Und die verbinden – mit anderen Menschen, und mit Gott. Also: Wer singt, der betet doppelt.