Wir brauchen Überzeugungstäter!

31.10.2026 / Pfarrer Guido Hepke, Evangelische Kirchengemeinde Weilburg

Die Reformation in unserer Region beginnt mit einem Paukenschlag. Erhard Schnepfius kommt nach Weilburg. Genau vor 500 Jahren. Sehr schnell wird deutlich: Der will etwas. Der will Kirche verändern – im Sinne der Heiligen Schrift. Der will Schulen gründen, evangelische Gottesdienste in deutscher Sprache feiern. Der hat Mut, Begeisterung – und Durchsetzungskraft. Der steht für das, was er sagt - ein Überzeugungstäter.


Ich meine: Genau so etwas brauchen wir auch heute. In unseren Kirchen ganz genauso wie in der Politik. Wir müssen gestalten – nicht verwalten.


Wer zum Beispiel im politischen Bereich Verantwortung trägt und nur auf die nächsten Wahlergebnisse schaut, hat schon verloren. Denn er gibt Überzeugungen auf – und hängt das Fähnchen in den Wind. Es geht nicht um das Gefallen wollen, auch nicht in unseren kirchlichen Bereichen. Es geht darum, sich in den Dienst nehmen zu lassen, Verantwortung zu übernehmen. Genau das kann auch mal unbequem sein.


Erhard Schnepfius hat das gewusst - sehr deutlich. Er hatte eine klare Mission: Ich will dabei mithelfen, Kirche der Zukunft zu bauen. Genau das hat er angestoßen – hier bei uns in der Region Weilburg. Und er konnte das. Denn er hatte einen klaren inneren Kompass. Für ihn war völlig klar: Ich orientiere mich an der Bibel. Denn die Bibel ist Gottes heilsames Wort.
Genauso einen klaren Wertekompass, den brauchen wir auch heute – in unseren Kirchen und vielleicht noch mehr in der Politik. Mit seinem Leben und mit seinen Worten gibt Jesus uns die Richtung vor. Die Liebe ist der Maßstab. Wertschätzung und Achtung eines jeden Menschen, Respekt, Mitmenschlichkeit, Fairness im Umgang miteinander, Gerechtigkeit – so beschreiben wir das heute.


Natürlich ist es nicht leicht, daraus konkrete Entscheidungen abzuleiten – in der Kirche oder für unsere Gesellschaft. Aber dieser Wertekompass aus der Bibel hilft dabei, Überzeugungen zu gewinnen. Und auch: Überzeugungen zu hinterfragen. Beides ist wichtig.


Erhard Schnepfius konnte genau das. Deshalb war die Reformation so erfolgreich – vor 500 Jahren hier in Weilburg-Nassau. Der Weilburger Reformator war ein Überzeugungstätet. Genau die brauchen wir heute auch – in den Kirchen und auch in Politik und Gesellschaft.