„Werden, wie Gott mich sieht“

veröffentlicht 21.10.2026 von Clemens von Dressler, Ev. Dekanat an der Lahn

Ulrike Viel bietet im Evangelischen Dekanat an der Lahn Geistliche Begleitung an

Ein Leben mit Musik und Glauben

Ulrike Viel ist ein Mensch, der gut zuhört. Nicht nur mit den Ohren, sondern mit einer inneren Aufmerksamkeit für das, was zwischen den Worten mitschwingt. Vielleicht passt deshalb die Beschreibung, die sie selbst für Geistliche Begleitung verwendet, so gut zu ihr: ein Hören, das Resonanz gibt – ein Zuhören, das dem Gehörten Raum gibt, ohne vorschnell zu bewerten oder Antworten zu liefern.

Die 63-Jährige lebt seit vielen Jahrzehnten in Weilburg. Musik begleitet ihr Leben: Sie hat Akkordeon und Querflöte studiert, arbeitet als Musiklehrerin an der Musikschule und ist als C-Musikerin an der Orgel ausgebildet. In der Evangelischen Auferstehungsgemeinde im Dekanat an der Lahn ist sie als Organistin tätig. Nun kommt zu ihrem kirchlichen Engagement ein weiteres Angebot hinzu: Ulrike Viel wurde zur Geistlichen Begleiterin ausgebildet und möchte Menschen auf ihrem persönlichen Glaubensweg begleiten.

„Ich habe Gottes Ruf gehört“

Inspiration für diesen Weg fand sie in der Berufungsgeschichte des Mose. „Ich habe Gottes Ruf gehört“, sagt Viel. Ihre Ausbildung zur Geistlichen Begleiterin absolvierte sie am Schwanberg. Sie erstreckte sich über knapp zwei Jahre und endete im September 2026.

Für Ulrike Viel ist der Glaube „ein Schatz“. Einer, der nicht abgeschlossen ist, sondern wachsen, sich verändern und lebendig bleiben kann. Sie selbst wird seit Jahrzehnten geistlich begleitet und beschreibt diese Erfahrung als wichtig und bereichernd für ihren eigenen Weg mit Gott. Genau daraus ist auch ihr Wunsch entstanden, anderen Menschen einen solchen Raum zu eröffnen.

Geistliche Begleitung als gemeinsamer Weg

Geistliche Begleitung richtet sich aus ihrer Sicht an Menschen, die religiös verbunden sind oder sich nach einer lebendigeren Beziehung zu Gott sehnen. „Ich kann mich in allem an Gott wenden“, sagt Viel. Anders als in der Seelsorge muss am Anfang nicht unbedingt ein konkretes Problem stehen. Es geht nicht zuerst darum, eine bestimmte Frage zu lösen, sondern darum, die eigene Gottesbeziehung zu vertiefen, achtsamer zu werden für Gottes Wirken im eigenen Leben und den eigenen Glaubensweg bewusster wahrzunehmen.

Konkret beginnt die Begleitung mit einem Kennenlerngespräch. Danach können etwa drei Gespräche folgen, in denen beide Seiten schauen, ob eine gemeinsame Begleitung stimmig ist. Wenn es passt, kann daraus eine längere Weggemeinschaft entstehen – häufig über ein Jahr oder länger. Die Treffen finden etwa einmal im Monat statt. Der Ort ist offen; Ulrike Viel kann sich gut einen neutralen Raum vorstellen. Entscheidend sei vor allem eines: Vertrauen.

Die Themen können sich im Laufe einer Begleitung verändern. Manchmal geht es um Zweifel, manchmal um Sehnsucht, um Lebensentscheidungen, um Stille, um Gebet oder um die Frage, wie Gott im eigenen Alltag erfahrbar wird. Geistliche Übungen können dabei helfen: einen Bibeltext lesen und ihn innerlich betrachten, sich in biblische Personen hineinversetzen, Texte abschreiben oder laut lesen. Doch feste Schablonen gibt es für Viel nicht. Alles orientiert sich an der Person, die zu ihr kommt.

Angenommen sein – mit allem, was ist

Wichtig ist ihr eine Haltung, die sie mit drei Worten beschreibt: neutral, offen, liebend. „Der Mensch darf so sein, wie er ist“, sagt sie – mit allen Themen, Brüchen, Fragen und Zweifeln. Gleichzeitig kennt sie die Grenzen ihres Angebots. Geistliche Begleitung ist keine Therapie. Bei Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen brauche es professionelle Unterstützung. Auch in der Geistlichen Begleitung gibt es Situationen, in denen Grenzen erreicht werden und die Begleiterin benennen muss, dass sie einen Weg nicht weiter mitgehen kann – etwa wenn von Gewalterfahrungen berichtet wird.

Ein Schlüsselerlebnis ihres eigenen Glaubens hatte Ulrike Viel schon als Kind. Mit zehn Jahren war sie bei ihrer Großmutter, als ein Gewitter aufzog. Sie hatte Angst und betete. Dann, so erinnert sie sich, hörte das Gewitter schlagartig auf – oder zumindest ihre Angst davor. Für sie wurde dieser Moment zu einer frühen Erfahrung: Gott ist ansprechbar. Gott ist nah.

Heute möchte sie anderen helfen, solche Spuren im eigenen Leben zu entdecken. Geistliche Begleitung bedeutet für Ulrike Viel nicht, Menschen in eine bestimmte Richtung zu drängen. Vielmehr geht es darum, gemeinsam zu hören, wahrzunehmen und zu unterscheiden. Ziel ist es, den ganz eigenen Weg zu entdecken und zu gehen – nicht allein, sondern mit einfühlsamer Begleitung.

Was sie Menschen wünscht, die zu ihr in die Geistliche Begleitung kommen? Dass sie erfahren, wie lebendig eine Beziehung zu Gott sein kann. Dass sie spüren: Ich bin angenommen. Und dass sie auf ihrem Weg immer mehr zu dem Menschen werden, als den Gott sie sieht.

Wer Interesse an einer Geistlichen Begleitung durch Ulrike Viel oder andere geistliche Begleiterinnen und Begleiter im Dekanat an der Lahn hat, kann sich telefonisch bei der Dekanatsverwaltung unter 06431/49607-122 melden.