Studienreise: Auf den Spuren der Siebenbürger Sachsen

veröffentlicht 28.05.2026 von Pfarrer Joachim Naurath, Ev. Dekanat an der Lahn

Bunt bemalte Klosterkirchen und Kirchenburgen als Festungen – Schauplätze der Geschichte in Siebenbürgen

Das Interesse an der zehntägigen Studienreise des Evangelischen Dekanats an der Lahn nach Rumänien war groß – fast 30 Personen nahmen an dem anspruchsvollen Reiseprogramm teil. Die Rundreise führte von Bukarest über Kronstadt mit dem nahegelegenen Dracula-Schloss Bran durch die Karpaten in die nördliche Provinz Bukovina weiter nach Bistritz, Biertan, Schätzburg und Hermannstadt zurück in die Hauptstadt. Wechselnde Landschaften wie Gebirgstäler und Bergpässe, der Fluss Olt und der Rote See (s. Foto) entschädigten für die teils recht langen Busfahrten.

Auf Schritt und Tritt konnte die Gruppe unter Anleitung eines deutschsprachigen Reiseführers die Geschichte der Siebenbürger Sachsen nacherleben. Diese waren im 12. Jahrhundert aus dem Rheinland und Luxemburg in das östliche Gebiet des ehemaligen Königreichs Ungarn eingewandert, weil sie Ländereien und Privilegien zugesichert bekamen. Zugleich wurde ihnen auferlegt, zur Verteidigung gegen Tartaren und später gegen andere Angreifer wie die Osmanen die Dörfer zu sichern mit Schutzmauern und Wehrtürmen. Daraus entstanden nach und nach die ehemals über 300 Kirchenburgen in der Region. Die Kirchenbauten, vornehmlich aus dem 14. und 15. Jahrhundert, geben Zeugnis von der wirtschaftlichen Blüte, die sich besonders in den dort ausgestellten Schenkungen der Handels- und Kaufleute in Form von wertvollen Teppichen aus dem Orient ausdrückten.

UNESCO-Welterbe und lebendige Glaubensgeschichte

Besonders eindrucksvoll waren die rumänisch-orthodoxen Klosterkirchen Moldovita, Sucevita und Voronet mit ihren großen Bildpanoramen innen und außen, weitestgehend gut erhalten über die Jahrhunderte, ausgezeichnet als UNESCO-Weltkulturerbe. Unvergesslich, wie die Ordensschwester Tatiana der Gruppe die Bildmotive in Moldovita mit ihrem Laserpointer zeigte und erklärte, an welchen Stellen die Themen der damaligen Zeit in die biblische Symbolik eingeflossen sind: Die Eroberung Konstantinopels durch die Türken (mit Turban dargestellt) oder Jesus im „volksrumänischen Hemd“!

Begegnungen, die in Erinnerung bleiben

Überhaupt waren es die persönlichen Begegnungen, die in Erinnerung bleiben: Der orthodoxe Priester Dr. Sasaujan aus Bukarest, der im Nebenberuf Hochschullehrer ist und die Reisegruppe mit Ikonen und CDs beschenkte, das Orgelkonzert auf der Empore in Mediasch mit der begeisternden Kirchenmusikerin Edith Toth, der Besuch inklusive bester Bewirtung bei einer rumänischen Bauernfamilie, in der drei Generationen zusammenleben. Dazu die drei evangelischen Stadtpfarrer aus Bukarest, Hermannstadt und Biertan, die von der schwierigen Zeit nach 1990 berichtet haben, als weit über 90 Prozent der Siebenbürger nach Deutschland ausgewandert sind. Mit viel Engagement und guten Ideen ist es gelungen, das kirchliche Leben weiterzuführen und wieder aufzubauen. Enteignete Gebäude wurden nach Rückgabe renoviert und vermietet, Konzerte und Kirchenbesichtigungen bringen Einnahmen, Unterricht und die Öffnung für Menschen ohne deutsche Wurzeln und Sprachkenntnisse tragen dazu bei, dass die Mitgliederzahlen einigermaßen stabil sind.

Abschluss in Bukarest und dankbarer Rückblick

In Bukarest besichtigte die Gruppe den unter Diktator Ceausescu errichteten Parlamentspalast, das schwerste (4 Mio. Tonnen) und teuerste (ca. 3,3 Mrd. €) Gebäude der Welt. Angetan war man aber vor allem von den schönen Gebäuden in der Innen- und Altstadt, die französisches Flair („Klein-Paris“) verbreiten. Die Reise endete mit dem Besuch des Festgottesdienstes am Pfingstsonntag in der Evangelischen Gemeinde von Bukarest und der Teilnahme am anschließenden Gemeindefest.

Pfarrer Naurath, der die Reise letztmalig vor seinem Ruhestand für das Dekanat organisiert hatte, war sehr angetan von der Reisegruppe, in der sich jede/r wohlgefühlt hat sowie von den rumänischen Gesprächspartnern, die mit viel Engagement und Leidenschaft von ihrer kirchlichen Arbeit erzählten.