Das Motto des literarischen Abends lautete „Kurzgeschichten – so spannend, witzig und überraschend wie das Leben selbst“. Zahlreiche Besucher folgten dieser Einladung. Spontan mussten noch Sitzkartons gefaltet werden, damit alle Platz nehmen und den Kurzgeschichten lauschen konnten. Schon bei der herzlichen Begrüßung durch Irene Vetter wurde deutlich: Dieser Abend versprach Vielfalt, Humor und berührende Momente. Nach einem früheren Balladenabend hieß es an diesem Abend bewusst „kurz und knackig“ – und genau das spiegelte sich in der Auswahl der diversen Beiträge wider, von Kurzroman, Krimi bis zum Gedicht war alles vertreten. Den Auftakt gestalteten Sigrid Klös mit Autorin Donna Leon, diese ist bekannt für ihre Kriminalromane mit dem venezianischen Polizisten Commissario Guido Brunetti als Protagonisten.
In der Geschichte „Gladys und der Rasenmäher“ sorgte ein besonderes Huhn als ungewöhnliches Haustier für heitere Momente und brachte das Publikum zum Schmunzeln. Im Anschluss las Irene Vetter aus Margret Rettichs „Die Geschichte von Elsie“. Die turbulente Weihnachtsgeschichte über ein Kind, das ausgerechnet an Heiligabend im Klo feststeckt, wurde lebendig und amüsant vorgetragen und sorgte für herzhaftes Lachen. Silke Meyer entführte die Zuhörer danach mit Elke Heidenreichs „Rouge comme ça“ in einen Badeort in Südfrankreich. Die unterhaltsame Modegeschichte überzeugte mit feinem Humor und einem genauen Blick auf menschliche Eigenheiten. In der Pause erwartete die Gäste ein liebevoll vorbereitetes Buffet. Das Team der Bücherei hatte eine große Auswahl an süßen und herzhaften Leckereien zusammengestellt – eine willkommene Stärkung und Gelegenheit für Gespräche in entspannter Atmosphäre. Für einen spannenden Kontrast sorgte anschließend Pfarrer Ulrich Finger. Mit seiner markanten Stimme trug er einen Eifelkrimi von Ralf Kramp aus „Mord und Totlach“ vor. In „Unter den Gräbern von Gillenfeld“ ging es um einen verliebten, aber auch Mordsüchtigen Bestatter, dessen Plan auf überraschende Weise scheitert – eine Mischung aus Spannung und schwarzem Humor, die das Publikum fesselte.
Nach einer weiteren kurzen Pause wurde es noch einmal besonders eindrucksvoll. Elke Lott las eine Geschichte über die Macht der Freundschaft. „Diese Geschichte hat mich einfach nicht mehr losgelassen“ erzählte sie vorab. Mit viel Gefühl machte sie deutlich, wie wichtig zwischenmenschliche Verbundenheit ist und dass Freundschaft oft das größte Geschenk sein kann. Ihre Botschaft berührte: Schon kleine Gesten können das Leben anderer positiv verändern und Hoffnung schenken. Den Abschluss der literarischen Runde gestaltete Tanja Richter, Gemeindepädagogin der EKHN. „Das Gedicht von der verlorenen Hoffnung“ erwies sich als nachdenkliches, zugleich aber auch inspirierendes „Mitbringsel“ für den Heimweg und fand großen Anklang bei den Zuhörern. Die Resonanz des Abends sprach für sich: „Ein schöner Abend“, hieß es vielfach. Andere betonten: „Es ist etwas ganz anderes, wenn man vorgelesen bekommt, als selbst zu lesen.“ „Das macht Lust, wieder mehr zu lesen, auf Reisen gehen im Kopf“ .Und nicht wenige nahmen die neu entdeckte Freude an Lektüre mit nach Hause, als Einladung, Literatur wieder ganz neu zu entdecken.