Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele Menschen aus den Gemeinden, Weggefährten und Gäste waren gekommen, um Danke zu sagen und gemeinsam Abschied zu nehmen.
Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Chor begleitet, der der Feier einen festlichen Rahmen verlieh. An der Liturgie wirkten Dekan Johannes Jochemczyk und Altdekan Ulrich Reichard mit. Jochemczyk überreichte am Ende des Gottesdienstes die Urkunde der Kirchenleitung zur offiziellen Versetzung in den Ruhestand, Reichard sprach ein persönliches Segenswort.
„Weil Menschen Menschen brauchen“
In seiner Predigt blickte Jörg-Michael Keller gemeinsam mit seiner Frau Gabriele auf viele persönliche „Pfingstmomente“ zurück – Momente des Verstehens, der Gemeinschaft und der Begegnung. Bewegende Erinnerungen an Menschen, Gespräche und Erfahrungen aus vielen Jahren kirchlicher Arbeit standen dabei im Mittelpunkt.
Auch die Verabschiedung selbst war geprägt von persönlichen Worten und Erinnerungen. Dekan Johannes Jochemczyk zeichnete in seiner Ansprache den außergewöhnlichen Lebens- und Berufsweg Kellers nach. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig dessen Wirken war – als Gemeindepfarrer, Berater, Coach und Begleiter von Menschen.
Jochemczyk erinnerte daran, dass Keller ursprünglich durch engagierte kirchliche Jugendarbeit den Weg zur Theologie gefunden habe. „Weil Menschen Menschen brauchen“ – dieser Satz auf einem Werbeplakat der Kirche habe ihn damals zum Theologiestudium motiviert und sein gesamtes Berufsleben geprägt.
Zwischen Gemeindepfarramt und Unternehmensberatung
Nach dem Studium in Marburg und Frankfurt sowie dem Vikariat begann Keller seinen Dienst zunächst als Gemeindepfarrer im Taunus. Später führte ihn sein Weg für mehrere Jahre in die freie Wirtschaft, wo er als Berater und Coach unter anderem für große Unternehmen tätig war. Doch auch in dieser Zeit blieb er der Seelsorge verbunden.
2009 kehrte er in den Dienst der Kirche zurück und arbeitete zunächst im Dekanat Weilburg in der Bildungsarbeit sowie in der Begleitung von Veränderungsprozessen. Später übernahm er die Gemeindepfarrstelle in Laubuseschbach und Langenbach mit Rohnstadt, Winden und Audenschmiede.
In seiner Ansprache würdigte Jochemczyk besonders Kellers Leidenschaft, Dinge in Bewegung zu bringen, Menschen miteinander ins Gespräch zu führen und Veränderungsprozesse anzustoßen. Mit einem Bild aus dem ersten Korintherbrief beschrieb er die Kirche als „einen Leib mit vielen Gliedern“ und sagte über Keller: „Vielleicht warst du in diesem Leib oft der Puls – derjenige, der Bewegung hineinbringt, der Veränderung will und Menschen motiviert, sich auf den Weg zu machen.“
„Jetzt ist Ruhepuls angesagt“
Mit Blick auf den Ruhestand gab der Dekan ihm schließlich augenzwinkernd mit auf den Weg: „Jetzt ist Ruhepuls angesagt.“
Besonders berührend war auch der Auftritt der Kita-Kinder, die für Jörg-Michael Keller das Lied „Möge die Straße“ sangen und ihm gemeinsam mit seiner Frau ein selbst gestaltetes Bild überreichten.
Beim anschließenden Beisammensein im Dorfgemeinschaftshaus war Zeit für persönliche Gespräche, Erinnerungen und viele gute Wünsche für den neuen Lebensabschnitt.
Das Evangelische Dekanat an der Lahn dankt Pfarrer Jörg-Michael Keller herzlich für seinen langjährigen Dienst, seine Leidenschaft für Menschen und Kirche sowie für die vielen Spuren, die er in den Gemeinden und darüber hinaus hinterlassen hat.