Neuer DSV-Vorsitzender setzt auf Verlässlichkeit, Jugendarbeit und Nähe zu den Menschen

veröffentlicht 20.02.2026 von Clemens von Dressler, Ev. Dekanat an der Lahn

Mit Detlef Dern steht seit der Herbstsynode ein neuer Vorsitzender an der Spitze des Dekanatssynodalvorstands (DSV) des Evangelisches Dekanat an der Lahn. In einer Zeit tiefgreifender Umbrüche innerhalb der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat er das Amt bewusst übernommen.

„In den Zeiten der Neuorientierung der EKHN war mir die Verlässlichkeit im Präsesamt wichtig“, begründet Dern seine Entscheidung. Der Schritt sei ihm nicht leichtgefallen, da er mit einem deutlichen Mehraufwand an Zeit verbunden sei. Umso klarer ist für ihn der Anspruch: Er versteht sich als Stimme der Ehrenamtlichen in den entstehenden Nachbarschaftsräumen.

Was der DSV leistet

Der Dekanatssynodalvorstand ist das leitende Gremium des Dekanats. Er gibt die inhaltliche und organisatorische Grundausrichtung kirchlicher Arbeit vor. Für Dern ist dabei entscheidend, dass Prozesse transparent gestaltet werden und die beteiligten Personen mitgenommen werden. Leitung bedeute für ihn nicht, Entscheidungen über Köpfe hinweg zu treffen, sondern Verantwortung gemeinsam zu tragen.

Schwerpunkte: Diakonie, Jugendarbeit und klare Strukturen

Inhaltlich setzt der neue Vorsitzende deutliche Schwerpunkte. Besonders am Herzen liegt ihm die diakonische Arbeit. Dazu zählt für ihn vor allem die Arbeit in den Kindertagesstätten sowie Angebote für sozial benachteiligte Menschen. Gleichzeitig fordert er eine klare Konzentration in der Verwaltung. Doppelstrukturen sollen vermieden werden, und finanzielle Mittel sollen dort ankommen, wo sie unmittelbar den Menschen zugutekommen. „Die Finanzmittel dürfen nicht in der Verwaltung versumpfen“, betont er. Auch die Jugendarbeit spielt für Dern eine zentrale Rolle. Er sieht es als Aufgabe des Dekanats, die vorhandene Fachkompetenz besser in die Fläche zu bringen. Junge Menschen könnten nur dann erreicht werden, wenn Mitarbeitende nicht an einzelne Orte oder an Bürotätigkeiten gebunden seien, sondern mit ihren Angeboten präsent vor Ort arbeiten könnten.

Nachbarschaftsräume als Gestaltungsräume

Mit Blick auf die neu entstehenden Nachbarschaftsräume verbindet Dern Chancen und offene Fragen. Diese dürften nicht zu reinen Verwaltungseinheiten werden, sondern müssten das kirchliche Leben in größeren Zusammenhängen neu gestalten. Zugleich sei der Wandel für viele Gemeindeglieder herausfordernd, insbesondere der Abschied vom klassischen Bild der ortsgebundenen Pfarrstelle. Hinzu komme die Frage, ob sich künftig genügend Engagierte für neue Leitungsstrukturen wie Gesamtkirchenvorstände finden lassen. Angesichts sinkender finanzieller und personeller Ressourcen plädiert Dern für Ehrlichkeit und klare Prioritäten. Die Kirche könne nur mit den Mitteln arbeiten, die tatsächlich zur Verfügung stünden. Persönlich setzt er auf Gespräch und Austausch, um Spannungen und unterschiedliche Erwartungen aufzufangen. Leitung verstehe er als dialogischen Prozess.

Geprägt durch jahrzehntelanges Ehrenamt

Geprägt wurde sein Leitungsverständnis durch mehr als vier Jahrzehnte ehrenamtlichen Engagements. Verlässlichkeit sei für ihn ein Schlüsselbegriff: Entscheidungen müssten Bestand haben, um Sicherheit zu geben. Auch nach außen vertrete er Beschlüsse des Gremiums geschlossen – unabhängig von persönlichen Einzelmeinungen. Verantwortung zu übernehmen heiße für ihn auch, zugesagte Aufgaben konsequent umzusetzen. Ausgleich findet Detlef Dern bewusst jenseits von Sitzungen und Terminen. Zeit mit seiner Ehefrau, fernab von ständiger Erreichbarkeit, und Momente der Ruhe in der Natur geben ihm Kraft. „Auf einer Bank in der freien Natur sitzen und den Wolken zuschauen“ – solche Pausen seien wichtig, um neue Energie für das Ehrenamt zu schöpfen.

Blick nach vorn: Frühjahrssynode als Wegmarke

Sein Blick in die Zukunft ist realistisch und zugleich klar auf die Menschen gerichtet. Entscheidend sei für ihn nicht der Name oder die Struktur des Dekanats, sondern ob kirchliche Angebote in neuen Formen angenommen würden und es gelinge, Menschen weiterhin für Kirche zu gewinnen. „Ich engagiere mich für die Menschen, die im Dekanat leben, und nicht für starre Verwaltungseinheiten“, fasst Dern seine Motivation zusammen.

Bei der anstehenden Frühjahrssynode des Evangelischen Dekanats an der Lahn will Dern diese Linie weiter konkretisieren. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem der Haushalt für die kommenden Jahre, der Gebäudeentwicklungsplan sowie Berichte aus den Nachbarschaftsräumen. Auch die geplante Diakoniestiftung wird Thema sein. Für Dern sind dies wichtige Weichenstellungen, um Kirche vor Ort verlässlich, sozial engagiert und zugleich strukturell zukunftsfähig aufzustellen.