Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Hass und Gewalt – für Frieden und Liebe“ wurde die Kirche nicht nur zum Ort des Glaubens, sondern auch zur Bühne für Haltung, Mut und Hoffnung.
Schon beim Ankommen war spürbar: Dieser Gottesdienst würde besonders werden. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden stellten sich vor, Marleen Koschel, Olivia Hölzer, Jara Schiller, Nelly Koltermann, Emilia Müller, Emma Ohr, Emely Kagel, Moritz Haibach, Silas Schmidt und Leon Kimmerle und führten danach selbstbewusst durch die Liturgie. Sie begrüßten die Gemeinde und machten von Beginn an deutlich, worum es ihnen geht: Frieden beginnt im Kleinen – im eigenen Verhalten, im Miteinander, im Alltag.
Was folgte, war weit mehr als ein klassischer Jugendgottesdienst. Die Jugendlichen präsentierten eigene Gedanken zu biblischen Texten, deuteten den Psalm 1 neu, trugen gemeinsam Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“ vor und verbanden ihre Auslegungen mit selbst gestalteten Bildern. Ihre Worte waren reflektiert, ehrlich und berührend – fern von Floskeln, nah am Leben.
Ein besonderer Höhepunkt war die „Predigt in zwei Teilen“, die eindrucksvoll zeigte, wie intensiv sich der Jahrgang mit Glauben und Leben auseinandergesetzt hat. Ob Friedensbotschaften aus der Bergpredigt, persönliche Erfahrungen aus der Konfi-Zeit oder die Auseinandersetzung mit Themen wie Tod, Gemeinschaft und Verantwortung – die Jugendlichen fanden klare Worte und schafften es, ihre Erlebnisse authentisch mit dem Glauben zu verbinden.
Tief bewegt hat die Gemeinde insbesondere der Bericht vom Besuch der Gedenkstätte Buchenwald. Die Konfis schilderten eindrücklich dieses Erlebnis – leise, nachdenklich und ohne Pathos. Kleine Steine, die sie von dort mitgenommen hatten, wurden zu Symbolen der Erinnerung und Mahnung nicht wegzuschauen. „Ein Stück Erinnerung. Etwas, das bleibt“, sagten sie – und trafen damit den Kern. Ein kleiner gelber Zettel „Zu Risiken und Nebenwirkungen, schauen Sie in die Geschichtsbücher oder fragen sie ihre Großeltern“ von den Konfis abschließend vorgelesen machte ihre Botschaft mehr als deutlich.
Auch die weiteren Stationen ihrer Konfi-Zeit wurden lebendig: Begegnungen mit einem Bestatter, das Erleben von Abendmahl und Taufe, der Osterfrühgottesdienst in Rohnstadt sowie eine gemeinsame Pilgerwanderung mit ihren Eltern. Immer wieder wurde deutlich, wie sehr diese Erfahrungen die Jugendlichen geprägt haben – nicht nur im Glauben, sondern auch als Gemeinschaft.
Musikalisch setzte der Gottesdienst ebenfalls starke Akzente. Neben bekannten Liedern sorgte vor allem ein selbst geschriebener Friedenssong als Rap vorgetragen – angelehnt an „All we are saying, is give peace a chance“ von John Lennon und Joko Ono – sorgte für Gänsehautmomente. Mit Blumen in den Händen und sichtbarer Begeisterung sangen die Konfis gemeinsam mit der Gemeinde für Frieden, Respekt und Zusammenhalt. Die Botschaft: laut, klar und mitreißend.
Besonders bemerkenswert: Eine kurzfristige Herausforderung – der Organist fiel aus – wurde auch souverän gemeistert. Kurzerhand übernahm Pfarrer Keller selbst das Keyboard und trug so zum Gelingen dieses außergewöhnlichen Gottesdienstes bei. Improvisation, die funktionierte – und einmal mehr zeigte, wie viel Herzblut in diesem Tag steckte.
Die Fürbitten, gesprochen und gestaltet von den Jugendlichen selbst, griffen das Motto ihres Gottesdienstes eindrücklich auf und machten deutlich, dass es ihnen ernst ist mit ihrem Anliegen: Frieden leben – hier und jetzt.
Dieser Vorstellungsgottesdienst war nicht nur ein Rückblick auf eine intensive Konfi-Zeit, sondern auch ein Ausblick: auf junge Menschen, die Verantwortung übernehmen, die hinschauen, die ihre Stimme erheben. Ein Jahrgang, der gezeigt hat, was möglich ist, wenn Glaube, Gemeinschaft und Engagement zusammenkommen.
Für Pfarrer Jörg-Michael Keller wird es ein besonderer Abschied: In zwei Wochen wird er diesen Jahrgang konfirmieren – es ist der letzte, den er auf diesem Weg begleitet. Ein Abschluss, der kaum eindrucksvoller hätte vorbereitet werden können.
„Dieser Jahrgang ist etwas ganz Besonderes. Zu sehen, wie die Jugendlichen ihren Glauben finden und so mutig ausdrücken, ist ein großes Geschenk – gerade zum Abschluss meiner Konfi-Arbeit“, so seine Worte.
Eine zentrale Rolle spielte im Hintergrund seine Ehefrau, Gabriele Keller, die die Konfi-Zeit von Anfang an kreativ begleitet und entscheidend mitgeprägt hat. Ihr Engagement war ein wesentlicher Baustein für das Gelingen dieses besonderen Gottesdienstes.
Die Gemeinde jedenfalls wird diesen Gottesdienst so schnell nicht vergessen. Denn er hat gezeigt: Kirche lebt – und sie hat eine starke Zukunft.
Am Ende bleibt Dankbarkeit. Für einen Jahrgang, der sich gezeigt hat. Für einen Gottesdienst, der Mut gemacht hat. Und für die Gewissheit: Glaube lebt – durch die Menschen, die ihn gestalten.