Iona – eine Woche zwischen Beten, Arbeiten und Leben

veröffentlicht 28.09.2026 von Pfarrer Christian Elias, Ev. Dekanat an der Lahn

Pfarrer Christian Elias aus unserem Dekanat berichtet von einer besonderen Woche auf der schottischen Insel Iona – von gemeinschaftlichem Leben, Gottesdiensten, Arbeit und der Frage, wie Kirche sein kann

Ein besonderer Ort der Kirchengeschichte

Im Sommer durfte ich mit Propst Arras und 20 weiteren Menschen aus unserer Landeskirche eine Woche auf Iona verbringen – im Rahmen eines Pastoralkollegs.

Iona ist eine kleine Insel vor der Westküste Schottlands. Berühmt ist sie vor allem durch den irischen Mönch Columba, der hier im 6. Jahrhundert ein Kloster gründete. Von Iona aus wurde der christliche Glaube in Schottland verbreitet. Später gründeten die irisch-schottischen Mönche zahlreiche Klöster in ganz Europa. Iona wurde so zu einem wichtigen Ort der europäischen Kirchengeschichte.

Gemeinsam leben und anpacken

Bis heute ist Iona ein besonderer Ort für christliche Gemeinschaft. Die „Iona Community“ verbindet Gebet und Gottesdienst mit Arbeit, Gemeinschaft und dem Einsatz für eine gerechtere Welt. Genau das konnten wir eine Woche lang selbst erleben.

Wir wohnten eher wie in einer Jugendherberge in Mehrbettzimmern, aßen gemeinsam und übernahmen verschiedene Aufgaben: beim Kochen helfen, Toiletten putzen, Tischdienst oder beim Gottesdienst mitwirken. Jede und jeder bringt sich auf die eigene Weise ein.

In unserer Woche waren Menschen aus England, Schottland, den Niederlanden, den USA und Deutschland dabei. Durch die gemeinsamen Mahlzeiten, Gottesdienste und Gesprächsrunden lernt man sich schnell kennen.

Beten mit alten Wurzeln und neuen Formen

Morgens und abends feierten wir Gottesdienst. Dabei verbindet sich Tradition mit kreativen und neuen Formen.

Besonders beeindruckt hat mich die Sprache. Die Texte und Gebete sollen verständlich, modern und zugleich poetisch sein. Auch das Liederbuch wird immer wieder überarbeitet und um neue Lieder ergänzt.

Und dann sitzt man in der alten Kirche, das Klavier beginnt zu spielen und der Gesang hallt durch die dicken Mauern. Das sind Momente, in denen man einfach denkt: Wunderbar.

Jede und jeder kann etwas beitragen

Schön fand ich auch, dass die Gottesdienste nicht nur von „Profis“ gestaltet werden. Jede und jeder kann eine Andacht übernehmen. An einem Tag sprach ein älterer Mann, der viel Lebenserfahrung mitbrachte, am nächsten eine junge amerikanische Studentin.

Kirche kann auch so sein

Iona ist genau das: eine Mischung aus Natur und Geschichte, aus Gemeinschaft und Rückzug, aus Arbeit und Ruhe, aus Beten und langen Gesprächen.

Eine Woche lang gemeinsam leben, essen, Gottesdienst feiern, anpacken, spazieren gehen und miteinander reden. Vieles davon ist ganz unspektakulär. Und gerade darin liegt seine besondere Kraft.

Ich bin von Iona mit dem Gefühl nach Hause gekommen: Kirche kann auch so sein. Unterschiedliche Menschen gemeinsam unterwegs – verbunden im Vertrauen darauf, dass Gott mitten unter uns ist.