„Ihr werdet mich hier so schnell nicht mehr los“ – Pfarrer Ulrich Finger in den Ruhestand verabschiedet

veröffentlicht 16.06.2026 von Clemens von Dressler, Ev. Dekanat an der Lahn

Mit einem festlichen und zugleich sehr persönlichen Gottesdienst ist Pfarrer Ulrich Finger am Sonntag in der Evangelischen Kirche Münster aus seinem aktiven Dienst verabschiedet worden.

Zahlreiche Gemeindeglieder, Weggefährten, Kolleginnen und Kollegen sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche und Gesellschaft waren gekommen, um Danke zu sagen und gemeinsam auf fast vier Jahrzehnte pfarramtlichen Wirkens zurückzublicken.

Die Stimmung war spürbar bewegt, zugleich aber von großer Freude und Dankbarkeit geprägt. Der Kirchenchor überraschte den scheidenden Pfarrer mit einem eigens für ihn umgedichteten Lied. Im Anschluss an den Gottesdienst schloss sich ein Empfang mit zahlreichen Gruß- und Dankesworten an.

Ein Pfarrer nah bei den Menschen

In ihrer Ansprache würdigte Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer den langjährigen Dienst von Ulrich Finger. Sie zeichnete den Weg des gebürtigen Bromskircheners nach, der nach Studium und Vikariat 1989 ordiniert wurde und zunächst 25 Jahre in Essershausen, Edelsberg und Elkerhausen wirkte, bevor er 2014 nach Münster und Weyer wechselte.

Bertram-Schäfer hob besonders Fingers Nähe zu den Menschen hervor. Viele Gemeindeglieder hätten ihn stets als „ihren Pfarrer“ erlebt – verlässlich, zugewandt und fest im Glauben verwurzelt. Sein Dienst habe sich nicht auf die Kirchengemeinden beschränkt. Ob in der Notfallseelsorge, der Hospizarbeit, der Kommunalpolitik oder zahlreichen sozialen Projekten: Immer habe er Glauben und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbunden.

Besonders in Erinnerung bleibe das Evangelische Marmeladenpfarramt. Aus einer ungewöhnlichen Idee sei über Jahrzehnte hinweg ein segensreiches Projekt entstanden, das Menschen zusammenbrachte und erhebliche Spendensummen für soziale Zwecke erwirtschaftete.

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“

Im Mittelpunkt seiner Abschiedspredigt stellte Ulrich Finger ein Wort aus dem Zweiten Korintherbrief: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Dieser Vers habe sein theologisches Denken und sein Leben geprägt, sagte Finger. Dabei blickte er auf zahlreiche Stationen seines Wirkens zurück: auf besondere Gottesdienste, Mittelalterprojekte, Konfirmandenfahrten, das Abschreiben des Neuen Testaments während der Corona-Zeit, das Marmeladenpfarramt und viele Begegnungen in Seelsorge und Gemeindearbeit.

Dabei machte er deutlich, dass Kirche für ihn immer Gemeinschaft gewesen sei: „Nicht nur ich, sondern wir können etwas. Kirche sind wir.“

Dankbar erinnerte er auch an die Unterstützung, die er während der schweren Krankheit und nach dem Tod seiner Ehefrau erfahren hatte.

Zugleich machte Finger deutlich, dass sein Engagement für Menschenwürde, Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt auch im Ruhestand nicht enden werde. Wo Menschen ausgegrenzt oder verachtet würden, wolle er weiterhin seine Stimme erheben.

Dank für einen außergewöhnlichen Dienst

Dekan Johannes Jochemczyk würdigte Ulrich Finger als einen Pfarrer mit unverwechselbarem Profil. Er beschrieb ihn als leidenschaftlichen Seelsorger, kreativen Gottesdienstgestalter, engagierten Öffentlichkeitsarbeiter und Menschen, der stets dort gewesen sei, wo Menschen ihn brauchten.

Ob bei Ritterspielen, Tauffesten am Bach, in der Hospizarbeit, in der Notfallseelsorge oder in der Kommunalpolitik – Finger habe Kirche immer dorthin gebracht, wo Menschen leben. „Du hast schon lange gelebt, was heute vielfach gefordert wird: als Kirche bei den Menschen zu sein und nicht auf die Menschen zu warten“, sagte der Dekan.

Zum Abschluss dankte Jochemczyk für Jahrzehnte des Engagements im Dienst der Kirche und der Menschen in der Region.

Ganz verabschieden wollte sich Ulrich Finger allerdings nicht. Schließlich lebt er weiterhin in Münster und kündigte mit einem Augenzwinkern an, künftig im Chor mitzusingen, Theater zu spielen und sich weiterhin in vielen Bereichen einzubringen.

Seine letzten Worte der Predigt brachten die Stimmung des Tages auf den Punkt:

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. – Und das andere: Wir sehen uns!“