Herbstsynode in Kubach: Diakonisches Handeln rückt in den Mittelpunkt

veröffentlicht 03.10.2026 von Clemens von Dressler, Ev. Dekanat an der Lahn

Wie kann Kirche auch in Zeiten großer Veränderungen nah bei den Menschen bleiben? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Herbstsynode des Evangelischen Dekanats an der Lahn am Freitagabend in Kubach. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere der diakonische Auftrag der Kirche.

55 Synodale kamen zur zwölften Tagung der I. Dekanatssynode im Bürgerhaus Weilburg-Kubach zusammen. Der Abend begann mit einem Gottesdienst, den Dekan Johannes Jochemczyk gemeinsam mit Pfarrerin Christine Lindemann gestaltete. Für die musikalische Begleitung sorgte Dekanatskantor Martin Buschmann.

In seiner Predigt über die Apostelgeschichte verband Jochemczyk die biblische Erzählung mit den gegenwärtigen Transformationsprozessen der Kirche. Bei allen strukturellen Veränderungen im Rahmen von ekhn2030 dürfe der diakonische Auftrag nicht aus dem Blick geraten. Kirche müsse sich daran messen lassen, wie sie für Menschen da sei und ihnen begegne.

Mit 55 anwesenden Synodalen war die Synode beschlussfähig. Der Vorsitzende der Dekanatssynode, Detlef Dern, führte anschließend durch die Tagesordnung. Die Tagung war für den 2. Oktober mit Schwerpunkten unter anderem auf der Evangelischen Jugendvertretung, der Diakoniestation Brechen und dem diakonischen Handeln im Dekanat einberufen worden.

Neue Satzung stärkt die Evangelische Jugendvertretung

Einen wichtigen Beschluss stellte Johanna Schütz den Synodalen vor: die neue Satzung der Evangelischen Jugendvertretung im Dekanat an der Lahn, kurz EJVD. Die Synode nahm die Satzung einstimmig an.

Die EJVD vertritt die Interessen der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit auf Dekanatsebene. Sie berät unter anderem Dekanatssynode und Dekanatssynodalvorstand in Fragen der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, verwaltet die von der Synode bereitgestellten Budgets und wirkt bei personellen Entscheidungen im Bereich der Jugendarbeit beratend mit.

Neue Regelung für die Diakoniestation Brechen

Ebenfalls einstimmig stimmten die Synodalen einer Ergänzungsvereinbarung zur Diakoniestation Brechen zu.

Hintergrund ist ein Kauf- und Übertragungsvertrag aus dem Jahr 2021. Die darin ursprünglich vorgesehene Gründung eines Fördervereins wird aufgehoben. Stattdessen soll der noch vorhandene Anteil der dafür vorgesehenen 50.000 Euro als zweckgebundene Spende zugunsten der Diakoniestation Brechen in die Diakoniestiftung an der Lahn eingebracht werden.

Die Mittel können unter anderem für die Qualifizierung und Weiterbildung von Mitarbeitenden, für pflegerische Ausstattung und Infrastruktur sowie für niedrigschwellige Betreuungs- und Beratungsangebote eingesetzt werden. Zugleich wird der Beirat neu organisiert und künftig aus drei Mitgliedern bestehen.

Unter Tagesordnungspunkt 9 beschloss die Synode zudem auf Vorschlag des Dekanatssynodalvorstands, den Verein „Weilburg erinnert e.V.“ mit 5.000 Euro zu unterstützen.

Kirche muss den Menschen entgegenkommen

In seinem Bericht gab Dekan Johannes Jochemczyk einen umfassenden Überblick über die Entwicklungen im Dekanat. Ein Schwerpunkt waren die Veränderungen im Rahmen von ekhn2030. Zum Jahresbeginn 2027 werden die Kirchengemeinden in allen Nachbarschaftsräumen offiziell in ihren neuen Strukturen zusammenarbeiten. Während im Nordwesten eine Arbeitsgemeinschaft entsteht, arbeiten die übrigen Räume künftig als Gesamtkirchengemeinden. Das Mittlere Lahntal hat diesen Schritt bereits vollzogen.

Auch die Umsetzung des im Frühjahr beschlossenen Gebäude-Bedarfs- und Entwicklungsplans schreitet voran. Dabei gehe es nun darum, für Gebäude, die künftig nicht mehr in bisherigem Umfang kirchlich genutzt werden können, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Besonders ausführlich ging Jochemczyk auf die Aktion „einfach heiraten“ ein. Bei der Premiere im Dekanat fanden trotz großer Hitze 18 Segnungen und Trauungen sowie eine Taufe statt.

An konkreten Beispielen machte Jochemczyk deutlich, warum er das Format für wichtig hält. Ein Paar war eigens aus Lippstadt angereist, um sich in Runkel segnen zu lassen. Ein anderes Paar hatte sich bewusst für das niedrigschwellige Angebot entschieden, weil eine klassische große kirchliche Hochzeit nicht zu ihnen gepasst hätte. „So erreichen wir Menschen, die wir sonst nicht erreichen“, hielt Jochemczyk in seinem Bericht fest.

Für ihn liegt darin eine grundsätzliche Aufgabe der Kirche: Nicht darauf zu warten, dass die Menschen kommen, sondern Angebote an ihren Lebenssituationen und Bedürfnissen auszurichten, neue Wege auszuprobieren und ihnen entgegenzugehen. Jochemczyk warb deshalb dafür, „einfach heiraten“ auch 2027 wieder im Dekanat anzubieten. Als Termin ist der 2. Juli 2027 vorgesehen.

Nach dem Bericht des Dekans und einer gemeinsamen Pause rückte schließlich der thematische Schwerpunkt des Abends in den Mittelpunkt.

Kirche und Diakonie brauchen einander

Pfarrerin Christine Lindemann, die neben ihrem Gemeindepfarramt in Weinbach den Bereich Diakonie im Dekanat begleitet, eröffnete den Themenschwerpunkt. Sie machte deutlich, dass Kirche und Diakonie aufeinander angewiesen sind und einander brauchen.

Diakonisches Handeln bedeute dabei nicht, anderen Menschen aus einer übergeordneten Position heraus etwas Gutes zu tun. Vielmehr gehe es darum, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, sie zu begleiten und auf ihrem Weg zu unterstützen. Gleichheit und die Würde jedes Menschen seien dafür entscheidende Grundlagen.

Lindemann stellte zudem den diakonischen Ausschuss des Dekanats vor und dankte den zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich in Gemeinden und Projekten für andere Menschen einsetzen.

Bereits in seinem Bericht hatte Jochemczyk darauf hingewiesen, dass Kirche an weitaus mehr Orten präsent ist als allein im Gottesdienst: in Kindertagesstätten, Pflegeheimen, Beratungsstellen, Krankenhäusern und vielen weiteren Einrichtungen. Gerade daran werde deutlich, welche gesellschaftliche Bedeutung diakonisches Handeln besitzt.

Beratung, Suchthilfe und Unterstützung für Familien

Carsten Höhler stellte anschließend die Arbeit der Regionalen Diakonie Dillenburg-Limburg vor. Sie gehört zur Regionalen Diakonie Hessen-Nassau und damit zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Das Spektrum der Unterstützung ist groß. Menschen in seelischer oder körperlicher Not können ebenso Hilfe erhalten wie Menschen, die aus anderen Gründen Beratung oder Begleitung benötigen.

Zu den Angeboten gehören Hilfen für Menschen mit psychischen Erkrankungen, darunter ein Teilhabezentrum, psychosoziale Beratung und verschiedene Formen der Alltagsassistenz. Hinzu kommen die Sucht- und Glücksspielsuchtberatung, ambulante Suchtrehabilitation und Nachsorge sowie spezielle Angebote wie „Pegasos“ und „TOPTeens“.

Auch Familien und Menschen in schwierigen Lebenslagen finden Unterstützung: von der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung über sozialpädagogische Familienhilfe und Schulbetreuung bis hin zu Kleiderangeboten, Unterstützung für geflüchtete Menschen und weiteren Beratungs- und Betreuungsangeboten.

Höhler machte zugleich deutlich, dass die große Nachfrage nach den Angeboten auf immer wieder neue Herausforderungen bei ihrer Finanzierung trifft.

Pflege braucht Verbindung zur Kirche

Christine Lieber, Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Brechen, berichtete aus der ambulanten Pflege. Sie machte deutlich, wie groß der Unterstützungs- und Pflegebedarf in der Region ist.

Dabei hob sie auch die Verbindung zwischen Diakoniestation, Kirchengemeinden und Dekanat hervor. Die diakonische Pflege sei nicht losgelöst von Kirche zu betrachten. Umso wichtiger seien gegenseitige Wahrnehmung, Unterstützung und Zusammenarbeit.

Kitas als diakonische Orte

Anja Bambach, verantwortlich als Geschäftsführerin für den Arbeitsbereich Kindertagesstätten im Evangelischen Dekanat an der Lahn, eröffnete noch einmal eine weitere Perspektive auf Diakonie.

16 evangelische Kindertagesstätten erreichen an fünf Tagen in der Woche mehr als 1.000 Kinder – und über sie zugleich ihre Familien. Damit sei Kirche mitten im Alltag von Familien präsent.

Doch die Bedeutung der Kindertagesstätten gehe darüber hinaus. Pädagogische Fachkräfte nähmen täglich wahr, was Kinder und Familien bewegt. Bambach beschrieb Kinder dabei sinngemäß als „Seismografen“ ihrer familiären Situation: Überforderung in Familien, Angst, Armut oder Ausgrenzung würden oft auch im Kita-Alltag sichtbar.

Die Aufgabe der Kita sei deshalb nicht, jedes Problem selbst zu lösen. Es gehe darum, wahrzunehmen, anzusprechen, zu begleiten und gegebenenfalls weiterzuvermitteln.

Bambach machte deutlich: Kitas seien Teil des diakonischen Handelns der Kirche und hätten einen diakonischen Bildungsauftrag. Dafür brauche es verlässliche Rahmenbedingungen für Fachkräfte, Kinder und Familien.

Entscheidend sei zudem die Vernetzung. Kita, Kirchengemeinde und Beratungsstellen sollten bewusst zusammenarbeiten. Die Kita sei dabei kein Randgebiet kirchlichen Handelns, sondern ein wichtiger Knotenpunkt in einem diakonischen Netzwerk.

Diakonie in den Nachbarschaftsräumen weiterentwickeln

Anschließend waren die Synodalen zu einem „Markt der Möglichkeiten“ eingeladen. An Stellwänden konnten sie unterschiedliche diakonische Angebote kennenlernen, miteinander ins Gespräch kommen und Erfahrungen austauschen.

Zum Abschluss richtete sich der Blick auf die fünf Nachbarschaftsräume des Dekanats. Gemeinsam sammelten die Synodalen, welche diakonischen Angebote bereits vor Ort bestehen, was gestärkt werden kann und welche Unterstützung künftig benötigt wird. Dabei ging es auch um die Frage, was der diakonische Ausschuss beitragen kann, um Gemeinden und Nachbarschaftsräume bei der Weiterentwicklung ihrer diakonischen Arbeit zu unterstützen.

Damit schloss sich am Ende der Bogen zum Gottesdienst zu Beginn des Abends: Strukturen verändern sich, Nachbarschaftsräume entstehen und Gebäude werden neu bewertet. Der Auftrag aber bleibt: Menschen wahrnehmen, sie begleiten und für sie da sein.

Um 21.40 Uhr beendete der stellvertretende Dekan Pfarrer Achim Schaad die Herbstsynode mit Luthers Abendsegen. Die nächste Synode findet am 19. Februar 2027 statt.