Am 12. Mai wird seit 1995 der „Internationale Tage des Chronischen Erschöpfungssyndroms“ begangen. Das Datum erinnert an den Geburtstag der englischen Krankenschwester Florence Nightingale (12. 5. 1820 – 13. 8. 1910), die nach ihren Erfahrungen im Krimkrieg zu einer Begründerin der modernen Krankenpflege wurde. Weltweit wird deswegen auch der früher so genannte „Internationale Tag der Krankenschwestern“ an ihren Geburtstag begangen, heute „Internationaler Tag der Pflegenden“ genannt.
Berühmt wurde Florence Nightingale, weil sie als „Lady with the lamp“ nachts durch die Krankensäle der Lazarette ging, um nach den Verletzten und den Sterbenden zu sehen. Für viele wurde die gläubige Christin damit zu einer „Lichtgestalt“, die anderen Hoffnung brachte. In ihrem langen Leben setzte sie sich für eine moderne und professionelle Krankenpflege ein.
Was lange übersehen wurde: Nach ihrer Zeit im Kriegsgebiet erkrankte sie schwer. Und war in den folgenden Jahrzehnten zumeist ans Krankenbett gefesselt. Viele beschriebene Symptome lassen auf eine Erkrankung schließen, die heute ME/CFS genannt wird. Das „Chronische Erschöpfungssyndrom“, zuweilen auch „Myalgische Enzephalomyelitits/Chronisches Fatique-Syndrom“ genannt, ist eine chronische Erkrankung, charakterisiert durch lähmende geistige und körperliche Erschöpfung mit vielfältigen Schmerzen und Störungen. Schon vor Jahrzehnten wurde diese Krankheit beschrieben, die in der Regel nach einer Infektion als Langzeiterkrankung auftritt. Infolge der Corona-Pandemie hat sich die Zahl der Erkrankten stark erhöht. Auf weit mehr als 600 000 Menschen wird die Zahl der an ME/CFS Erkrankten allein in Deutschland geschätzt.
An den Tagen um den 12. Mai wird bewusst auf die Erkrankung hingewiesen. In manchen Städten finden „Liegend-Demonstrationen“ durch Betroffenen und Angehörige statt. Immer mehr öffentliche Gebäude werden in der Nacht blau angestrahlt, denn die Initiative „Lightupthenight4ME" ruft unter dem Motto „Unsere Hoffnung trägt blau" dazu auf, auf die prekären Lebensumstände und die vielfach unzureichende Versorgungssituation der Betroffenen aufmerksam zu machen. Im vergangenen Jahr beteiligten sich deutschlandweit bereits über 270 öffentliche Gebäude.
In den Münsterer Kirche berichtete Gemeindepfarrer Ulrich Finger von Kontakten mit Erkrankten und deren Angehörigen, die ihn letztlich zu diesem besonderen Gottesdienst bewogen hätten. Er habe sich „schlau gemacht“ durch Gespräche, Telefonate, Texte in öffentlichen Selbsthilfegruppen. Und sei überrascht gewesen, wie oft das Thema ME/CFS in den letzten Wochen in den Medien aufgetaucht sei. Mit dem Gottesdienstangebot wolle er helfen, dass „Erkrankte, die in der Regel kaum noch vor die Türe gehen können“ dennoch gesehen werden.
Neben vielen, teils sehr emotionalen Textbeiträgen war ein besonderer Hingucker das Paar Damenschuhe auf dem Altartisch. Zeichen dafür, dass Menschen, die nicht da sein können, doch anwesend sind.