Neulich auf der Autobahn: Der Kilometerzähler erreicht die 333.333 km. Eine große Leistung für ein altes Auto, ein Foto wert. Doch inzwischen werden die Reparaturen immer häufiger und teurer. Und wir ahnen, es wird langsam Zeit, sich nach etwas Neuem umzuschauen. Und so wälzen wir Hochglanzprospekte und vergleichen Angebote. Meine Konsumseite erwacht und ich werde immer neu-gieriger. Das kennen Sie vielleicht auch: Neue Dinge haben einen großen Reiz, ob ein neues Auto, neue Möbel oder Klamotten, was auch immer. Ähnliches gilt für neue Situationen ebenso, eine neue Arbeitsstelle, eine neue Aufgabe oder ein neuer Lebensabschnitt haben ihren Reiz. Viele erhoffen sich dabei durch etwas Neues grundsätzlich eine Verbesserung der Lage, mehr Lebensqualität oder mehr Möglichkeiten und verbinden mit dieser Hoffnung ein wenig mehr Glück. Im Neuen steckt außerdem ein großer Zauber, eine noch ungeschriebene Zukunft mit neuen Möglichkeiten, die sich erfüllen könnten, „jedem (Neu)-Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ so könnte man es in Anlehnung an die bekannten Worte aus Hermann Hesses Gedicht sagen.
„Siehe ich mache alles neu!“ - sagt auch Gott. So lautet die Losung für das Jahr 2026.
Auch er verbindet mit dieser Zusage eine grundsätzliche Verbesserung der Lage. Am Ende aller Zeiten wird etwas Neues anbrechen, eine Zeit, in der der Tod keine Macht mehr über uns hat, es keine Trauer mehr geben wird, keine Klage und kein Geschrei (Offenbarung 21). Eine Zeit, in der dies alles der Vergangenheit angehören wird.
Viele Menschen, die in diesen Zeiten unter Gewalt, bodenloser Ungerechtigkeit und Krieg leiden, werden diese Worte mit großer Sehnsucht hören, sich ein Leben ohne Klage und Geschrei herbeisehnen. Aber auch andere, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen eine Veränderung ihrer Lebenssituation wünschen, werden diese Worte mit weit geöffneten Ohren hören.
„Siehe ich mache alles neu!“ sind starke Worte Gottes, die aber in einem ganz besonderen Kontext laut werden. In ihrer Radikalität gelten sie für eine neue Zeit in einer neuen Welt. In unserer Welt geschieht das „Neue“ allerdings nur punktuell und wird von der Realität immer wieder eingeholt. Alles „Neue“ wird schlicht auch irgendwann einmal alt bzw. das Gewohnte, Althergebrachte.
Gott allerdings steht immer für einen Neubeginn, den er in seinem großen Versprechen zum Ende aller Zeiten uns zusagt, den er aber auch jetzt schon jeden Morgen zusichert – „All Morgen ist ganz frisch und neu“ EG 440 – und in jeder Feier des Abendmahls uns verspricht und erfahrbar werden lässt. So wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr 2026 mit vielen neuen Erfahrungen und Gottes Gnade und Treue jeden Morgen neu.
Ihr
Johannes Jochemczyk