Evangelisches Dekanat an der Lahn

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    Das große Comeback

    08.01.2022 / Dekan Manfred Pollex

    Eine Fernsehsendung zur Jahreswende. Sie zeigte Rückblicke in die 70er und 80er Jahre, vergegenwärtigte den Lebensstil damals. Jugenderinnerungen kamen in mir hoch: Bunte Hemden, Schlaghosen, Clogs mit hohen Plateausohlen, Haartrachten, die heute eher lächerlich wirken. Dazu die Musik jener Zeit, die wir von den Hitparaden im Radio auf dem Kassettenrekorder aufgenommen haben. Eine Band von damals spielt heute wieder eine große Rolle: die schwedische Gruppe ABBA, die nach 40 Jahren mit einem neuen Album ihr Comeback feiert. Für viele Fans weltweit ist das wie ein Wunder, denn niemand hatte wirklich mit dieser Überraschung gerechnet. Ein Comeback nach 40 Jahren - das ist ein großes Wagnis. Woran kann man anknüpfen? Aus den jugendlichen Fans von damals sind Opis und Omis geworden. Auch den Bandmitgliedern Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid ist es nicht anders ergangen. Wir wissen um viele Prominente, wie erbärmlich und würdelos es werden kann, sich an seine längst vergangene Jugend zu klammern und nicht wahrhaben zu wollen, dass die eigene Zeit vorbei ist. ABBA ist klug genug, nicht in diese Falle zu tappen. Die Musik ist im Studio aufgenommen und es wird keine Liveauftritte der Vier geben. Eine digitale Bühnenshow mit künstlich verjüngten Figuren, Avataren, wird eine Illusion von ABBA erzeugen. Die Musik von heute soll mit unserer Erinnerung verbunden werden. Genau genommen handelt es sich also nicht um ein echtes Comeback, sondern um eine aus der Vergänglichkeit der Zeit herausgefallene Illusion.

    Mich erinnert dieses Comeback an einen uralten Traum von einem Leben außerhalb der Zeit, ohne Veränderung, in ewiger Jugend, ohne Älterwerden, Vergänglichkeit und Tod. Ist es auch unser Traum, wie schön es wäre, wenn nicht einmal alles zu Ende ginge?

    „Alles hat seine Zeit“ schreibt ein weiser Mann der Bibel „und ein jegliches Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. Geboren werden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit…“. Auch ABBA hatte seine Zeit und es ist stark, dazu zu stehen und zu sagen: „Diese Lieder noch, dann ist endgültig Schluss!“ Es scheint wie ein nachgeholter, würdiger Abschluss einer großartigen Karriere, ein endlich gutes Ende einer der größten Musikgruppen.

    Ich fühle mich am Anfang eines neuen Jahres ermutigt, nochmal zu beschauen, anzugehen, was da als nicht so gut gelungen, als gescheitert, als bruchstückhaft in meinem Leben herum liegt. Alles hat seine Zeit, und Manches bekommt sogar noch eine zweite Chance. Nicht nur bei ABBA.

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