Evangelisches Dekanat an der Lahn

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    Bruderkrieg

    02.04.2022 / Dekan Manfred Pollex

    Kennen Sie Kain und Abel? Die biblische Geschichte vom Brudermord ist uralt und zugleich von immer aktueller Gegenwart. Kain erschlägt seinen Bruder Abel. Aus Wut, aus Eifersucht. Ein Brudermord gleich auf den ersten Seiten der Bibel. Damals, gleich am Anfang, begann der Blutstrom zu fließen, der sich durch die Geschichte der Menschheit zieht. So die Deutung der Bibel. Und es scheint ihm kein Entrinnen zu geben – dem Bruder- und Schwesternmord. Niemanden kann das kalt lassen: Gestern in Verdun und Stalingrad, heute in Srebrenica, Aleppo und Mariupol.

    Hört das denn niemals auf? fragen wir entsetzt über die grausamen Bilder und Nachrichten des Überfallkriegs auf die Ukraine. Muss das so weitergehen? Was können wir tun, damit die Geschichte von Kain und Abel endlich einmal anders verläuft und das Töten aufhört?

    „Abel wurde ein Hirte, Kain aber wurde ein Ackerbauer.“ Mit dieser Arbeitsteilung begannen auch die sozialen Unterschiede, entstand die ungleiche Verteilung von Lebenschancen. Der eine wird als Kind armer Eltern geboren, die andere bekommt schon alles in die Wiege gelegt. Wir können mit einer Lebenserwartung von fast 80 Jahren rechnen, in Afrika sind es 30 Jahre weniger. Wer die Geschichte von Kain und Abel ändern will, muss Reichtum und Nahrung teilen, muss Lebenschancen verbessern. Oder sind es die Eltern, die Kain zum Mörder und Abel zum Opfer machen? Was wir in Gutem und in Bösem durch unsere Eltern erfahren haben, prägt unser eigenes Leben. So wachsen schon Kinder in die Rollen von Kain und Abel hinein: gewalttätig die einen, wehrlose Opfer die anderen. Wie können wir verhindern, dass Eltern ihre Kinder zu potentiellen Gewalttätern oder Opfer erziehen? Und dann entdecken wir da noch die Gier, die Maßlosigkeit, die Respektlosigkeit der Wahrheit gegenüber, die fehlende Ehrfurcht vor dem Leben, den Machtmissbrauch eines einzelnen, der einen Krieg anzettelt, ja der die ganze Welt an den Abgrund bringen kann.

    Hier lauern die Anfälligkeiten für Mord und Totschlag. Die biblische Geschichte von Kain und Abel ist noch nicht zu Ende geschrieben. Leider. Aber auch das steht in der Bibel: Der Mörder wird letztlich nicht über sein unschuldiges Opfer triumphieren. Kaum hat Kain den Mord begangen, ertönt Gottes Stimme: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Im Gewissen meldet sich Gott als die Stimme der Opfer. Wie menschlich jemand ist, erweist sich auch darin, ob er noch auf die Stimme seines Gewissens hören kann oder diese schon zum Schweigen gebracht hat.

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